Dienstag, 30. Juni 2015

Wie funktioniert die Wirtschaftmaschine?

„Our greatest power is that we know that we don’t know and we are open to being wrong and learning.” – Ray Dalio
Für jeden Privatanleger ist es sehr wichtig zu verstehen, wie die Finanzmärkte und Finanzinstrumente funktionieren. Ansonsten ist das Geldanlegen wie ein blinder Impulskauf - ohne zu wissen, was man bekommt und ob es sich überhaupt lohnt Geld auszugeben. Das fehlende Finanzwissen ist einer der Gründe, warum die deutschen Sparer kaum Rendite auf ihr Geld bekommen. Sie vermeiden es zu Recht, ihr Geld in Aktien oder Aktienfonds zu investieren, weil sie von diesen Finanzinstrumenten nicht viel verstehen („Wie funktioniert ein Unternehmen?“). In meinem Blog versuche ich durch meine Erfahrungen und mein Wissen zur finanziellen Bildung der deutschsprachigen Anleger beizutragen.  


Was ich auch für sehr wichtig halte, ist, dass man von der Wirtschaft etwas versteht. In den Zeitungen und Zeitschriften lese ich oft viel Quatsch über die Wirtschaft. Viele veröffentlichte Artikel sind eher politischer Natur als wissenschaftlicher. Die Medien in Deutschland sind meiner Meinung nach sehr links. Unternehmer, Firmen, Industrie, Banken, Reiche und Anleger sind Sündenböcke dafür, dass auf dieser Welt Armut und Ungleichheit herrschen. Es ist schwierig für die Menschen, wertvolle Informationen zu finden, mit denen sie ihr finanzielles Wissen erhöhen können.

Wie die Wirtschaft funktioniert, wird in den Schulen nicht richtig gelehrt. Man muss nicht unbedingt BWL studieren, damit man verstehen kann, warum Verbraucherpreise steigen oder was passiert, wenn die EZB die Zinsen erhöht. Anstatt zu verstehen, warum die Mieten in den Großstädten steigen, versucht man, die Mietpreise zu bremsen. Auf lange Sicht ein nutzloser Versuch.

Ich denke, dass jeder Bürger die Verantwortung selbst übernehmen und sich selbst das fehlende Wissen über Wirtschaft und Finanzmärkte aneignen sollte. Zum Glück hat jeder ein Gerät bei der Hand, mit dem er auf eine große Menge von Informationen aus der ganzen Welt zugreifen kann („Mindestlohn und Verantwortung für das Leben selber übernehmen“).

Was oft nicht verstanden wird, ist der Konjunkturzyklus und warum wirtschaftliche Kreisläufe enstehen.

Ich habe ein sehr nützliches Video entdeckt, das ich mit meinen Lesern teilen möchte. Ray Dalio ist ein US-amerikanischer Unternehmer und der Gründer von Bridgewater Associates, dem größten Hedgefonds-Unternehmen der Welt. 2014 war laut Forbes an Stelle 69  der reichsten Menschen der Welt. In seinem Video versucht er ziemlich verständlich die wirtschaftlichen Grundlagen zu erklären. „Wie die Wirtschaftmaschine funktioniert“ ist ein 30-minütiges-Video, dass ich jedem Normalbürger empfehle. Die Animation ist auch in Deutsch zu hören.


Montag, 8. Juni 2015

Ein Blick auf die letzten 5 Monate - Portfolio Rebalancing benötigt

“The Chinese use two brush strokes to write the word 'crisis.' One brush stroke stands for danger; the other for opportunity. In a crisis, be aware of the danger--but recognize the opportunity.”  ― John F. Kennedy

2015 war bis jetzt ein gutes Jahr für Aktienanleger. Die Rendite für die Aktienindizen im laufenden Jahr sind wie folgt (Stand 07.Juni, Rendite meiner ETFs):
  • DAX – 14,0%
  • S&P 500 – 10,6%
  • Nikkei 225 – 24,5%
  • FTSE 250 – 21,5%
  • EU STOXX – 13,9%
  • MSCI Emerging Markets – 11,9%
  • CSI 300 (China) – 54,5%

Mein Portfolio besteht aus einer Mischung von vielen ETFs, die hauptsächlich in globale Aktienindizen investieren („Mein ETF-Portfolio: Performance Details im Jahr 2014“). Meine persönliche Rendite im laufenden Jahr liegt bei 15,6%, was ich sehr positiv finde. Der größte Anstieg hat bei „x-trackers CSI 300 ETF“ stattgefunden, nämlich um 54,5%.

In meinem Artikel „Portfolio-Aktionsplan für 2015“ habe ich angekündigt, dass ich mein Portfolio mit Zukäufen von Schwellenländeraktien erweitern wollte. Das habe ich getan und die folgenden ETFs zugekauft:
  • iShares Core MSCI Emerging Markets (Kaufdatum 06.01.2015, Kaufkurs 19,19€)- heutiger Kurs 21,77€ (+13,4%).
  • db x-trackers MSCI Russia Capped 1C EUR (Kaufdatum 21.01.2015, Kaufkurs 14,30€) - heutiger Kurs 17,92 € (+25,3%).

Die Russland-ETF hatte ich bereits („Krimkrise, Ukraine-Konflikt und russische Aktien“). Ich habe nun die Gewichtung von Russland in meinem Portfolio erhöht. Dazu habe ich mir erlaubt ein Risiko einzugehen. Aber nein, ich habe mir keine einzelne Aktie gekauft („Der Kauf von individuellen Aktien für unerfahrene Anleger“), sondern ich habe im April einen Aktien-ETF gekauft, der in Aktien aus Griechenland investiert.
  • Lyxor ETF FTSE Athex Large Cap A/I EUR (Kaufdatum 15.04.2015, Kaufkurs 1,11€) - heutiger Kurs 1,126 € (+1,4%).

Bei Griechenland-Aktien ist das Chancen-Risiko-Verhältnis meiner Meinung nach ziemlich gut. Das Risiko, dass Griechenland die Eurozone verlässt, ist weiterhin vorhanden. Ein Schuldenschnitt oder Zahlungsunfähigkeit bei den Staatsanleihen droht vielen Anlegern. Die neue griechische Regierung hat die Situation noch verschlechtert. Es sind sehr schlechte Zeiten für Griechenland und die Aktienkurse reflektieren die miese Stimmung. Der Markt hat das Risiko von Grexit schon eingepreist. Für mutige Anleger ist es jedoch die beste Zeit einzusteigen.

Wie ist der neue Aktionsplan?

Jetzt ist die Zeit, meine Asset-Allocation noch mal zu betrachten und einen Aktionsplan für die kommenden Monate zu erstellen. 

Die steigende Aktienkurse haben die Gewichtung meines Portfolios zugunsten von Aktien geändert. Die Aktien machen heute 90,4% meines Portfolios aus, wobei ich die restlichen 9,6 % in Anleihen habe. Meine Portfoliostrategie gibt 90% Aktien und 10% Anleihen vor.

Die logische Konsequenz ist, die Balance mit Anleihen-Zukäufen  wieder herzustellen. Ich weiß, dass es einen steigenden Aktientrend gibt und viele Leute überlegen, Aktien zu kaufen. Ich darf mich aber nicht in Versuchung führen lassen  und muss meinem Plan treu bleiben (Halte Dich an den Plan!).

Welche Anleihe soll ich kaufen?

Ich besitze bereits einen Anleihen-ETF, der in Schwellenländer investiert.
  • iShares JP Morgan $ Emerging Mkts Bd EUR

Dieser ETF hat seit dem Kauf eine sehr gute Performance hingelegt. Ich bekomme dazu monatliche Auszahlungen („Was ist Dividendenrendite?“) und habe ein Gefühl dafür, wie passives Einkommen sein sollte („Dividenden für langfristigen Vermögensaufbau“). Der gesunkene Euro/Dollar-Kurs hat dabei geholfen, dass man mit Dollar-basierten Anleihen Wertsteigerungen erreicht. Ich möchte aber mein Risiko etwas streuen. Daher kommt eine Euro-basierte Anleihe besser in Frage.

Hier sind meine Optionen:
  • Bundesobligationen
  • Staatsanleihen aus Länder mit guter Bonität (Frankreich, Niederlande, Belgien, usw..)
  • Staatsanleihen aus Länder mit schlechter Bonität (Portugal, Griechenland, Zypern, usw..)
  • Unternehmensanleihen mit guter Bonität
  • Unternehmensanleihen mit schlechter Bonität

Wie bei Aktien-ETFs möchte ich auch hier mein Risiko streuen, indem ich keine bestimmte Anleihe kaufe. Aus diesem Grund kommen deutsche Staatsanleihen oder Unternehmensanleihen von Volkswagen nicht direkt in Frage. Es gibt die Möglichkeit Renten-ETFs zu kaufen, die in Anleihen aus verschiedenen Ländern oder Unternehmen investieren. Die Laufzeiten der Anleihen sind auch unterschiedlich.

In meinem nächsten Artikel werde ich versuchen, einen Renten-ETF zu finden, der meinen Erwartungen entspricht.

Donnerstag, 21. Mai 2015

Was sind die Investment-Geheimnisse der Profis?

“The only thing I’m absolutely 100% sure of is that the lower the fee I pay to the purveyor of the investment service, the more there is going to be for me. And that’s why index funds work.” – Burton Malkiel

“Was sind die Investment-Geheimnisse der Profis?” Es wird in vielen Finanzzeitschriften und Büchern versucht, diese Frage zu beantworten. Burton Malkiel, US-amerikanischer Ökonom und Autor von “A Random Walk Down Wall Street” hat auf quora.com eine sehr gute Antwort auf diese Frage gegeben. Ich möchte einige wichtige dieser Antwort hier für die deutschen Anleger zusammenfassen und mit meinen Auffassungen erweitern. 

Seine Antwort lautet: „Es gibt keine Geheimnisse. Fokussieren Sie sich auf das, was Sie beeinflussen können und denken Sie langfristig“.


Die Anleger haben keinen Einfluss darauf, ob die Finanzmärkte nach oben oder unten gehen. Sie haben keinen Einfluss auf die Weltwirtschaft, Politik oder Steuern. Sie haben auch keinen Einfluss auf das Wetter. Sie haben aber Einfluss auf die Gebühren, die Asset-Allocation und Risikostreuung, Ihre Geduld und Ihre Anlagestrategie (Halten Sie sich an den Plan).

Ordergebühren

Viele Anleger denken leider kurzfristig. Sie machen unnötige Trades (Käufe und Verkäufe) in der Hoffnung, viel Geld in kurzer Zeit zu verdienen. Viele von diesen Anlegern (oder Spekulanten) sind nicht erfolgreich, wenn es darum geht, eine höhere Rendite als der Markt zu erzielen. Die Ordergebühren spielen hier eine wichtige Rolle, da sie die erwartete Rendite reduzieren. Selbst wenn Sie ein paar Prozentpunkte mehr erzielen können, wird dies durch die Ordergebühren aufgefressen. Die Ordergebühren bei den Direktbanken liegen heutzutage bei 0,25% vom Kurswert pro Order (minimum 10 € pro Order). Wenn Sie bei Ihrer Bank mehr bezahlen, machen Sie sich Gedanken. Ein Depotwechsel macht vielleicht in Ihrem Fall Sinn. Sie haben Einfluss auf diese Gebühren!  

Depotgebühren

Manche Banken berechnen Depotgebühren, damit Sie Ihre Wertpapiere dort deponieren dürfen. Ich habe Depots bei Targobank, Comdirect und Ing-Diba. Bei diesen und vielen anderen Banken ist die Depotführung kostenlos. Bei den Sparkassen und der Deutschen Bank ist dies nicht der Fall.

Fondsgebühren

Fondsgebühren sind eines meiner Lieblingsthemen bei Geldanlagen und Altersvorsorge („Wie die Fondsgebühren die Rendite fressen“). Millionen von Anlegern besitzen zur Zeit teure Produkte, die Ihr Vermögenswachstum bremsen. Aktienfonds, Dachfonds, Mischfonds, Riester-Rente und Lebensversicherungen sind einige Beispiele hierzu. Verkäufer mit dem schönen Namen „Finanzberater“ haben den Deutschen in den letzten Jahrzehnten Produkte verkauft, die nicht zum Vorteil der Verbraucher dienen. Zunächst wird bei Erwerb des Fonds ein Ausgabeaufschlag von 4% fällig. Die Verwaltungsgebühr von 1,5% wird dazu jährlich kassiert. Irgendjemand wird bei diesem Geschäft ziemlich reich und diese Person ist nicht „der Anleger“.

Sie haben Einfluss auf die Wahl Ihrer Wertpapiere und Fonds. Suchen Sie sich Geldanlagen, die sehr niedrige Kosten haben. Das ist der Hauptgrund, warum ich hauptsächlich in ETFs investiere („Aktien-ETFs als Geldanlage“).

Asset-Allocation und Risikostreuung

Diversifikation ist Ihre bester Freund, wenn es darum geht, Ihr Risiko zu reduzieren ("Lege nicht alle Eier in einen Korb"). Sie müssen Ihr Risiko reduzieren, um für Ihre Geldanlage einen Schutz für Krisenzeiten zu haben. Risikostreuung heißt nicht, dass Ihre Geldanlage in einem Jahr nicht in negative Zahlen abrutscht. Die Größe dieser Zahlen wird aber geringer, wenn Sie Ihr Geld in verschiedenen Wertpapierarten (Aktien, Anleihen, usw) und Regionen (USA, Europe, Schwellenländer, Japan, Pazifik, usw) angelegt haben. Sie können sich mein Portfolio als Beispiel hierzu anschauen („Mein ETF-Portfolio:Performance Details im Jahr 2014“).

Die globale Wirtschaft und die Bewegung der Aktienmärkte sind nicht in Ihrem Einflussbereich. Wie Sie Ihr Geld anlegen, unterliegt aber völlig Ihrer Kontrolle.

Geduldig sein und sich an den Plan halten

Dies ist der psychologische Aspekt vom Investieren. Es ist die vielleicht größte Herausforderung, die dem Anleger begegnet. Sie müssen einen Plan haben, geduldig sein und sich an diesen Plan halten.
Lassen Sie uns sagen, dass Sie Ihr Geld für die nächsten 10 Jahre anlegen möchten. Dafür haben Sie sich für ein balanziertes Portfolio (60% Aktien, 40 % Anleihen) entschieden. Was würden Sie tun, wenn die Aktienkurse weltweit um 30% sinken würden? Oder wenn sie um 40% steigen würden? Wenn Euphorie oder Panik an den Finanzmärkten herschen, ist sehr schwierig, sich an den Plan zu halten.

Die logische Antwort ist: mehr Aktien kaufen, wenn die Aktienkurse sinken und mehr Anleihen kaufen, wenn die Aktienkurse steigen. Wenn Sie sich an diesen Plan halten, bekommen Sie eine höhere Rendite. Dies zu tun, erfordert aber Disziplin und Willenskraft.

Daher ist die Empfehlung, dass Sie alle 6 Monaten oder einmal pro Jahr eine Rebalancing machen. Ich bin noch in der Sparphase, in der ich immer wieder in neue Wertpapiere investieren. Bei jedem Einkauf treffe ich meine Entscheidung laut meiner Anlagestrategie („Value Investing und Ihre Anlagestrategie“).

Mein Portfolio kontrolliere ich in der Regel nur einmal pro Monat. Ich bleibe weg von Fernseher, Finanznachrichten oder Börsenzeitschriften. Diesen Finanzporno braucht eigentlich niemand. Die tägliche oder wöchtentliche Bewegung der Finanzmärkte interessieren mich nicht, weil ich ein langfristiger Anleger bin. Dies sind für mich kleine Wellen auf der Meeresoberfläche, während ich meine lange Reise zur finanziellen Freiheit weiterführe.

Die Richtung dieser Reise liegt in meinem Einflussbereich. Die Wellen und Winde während der Reise unterliegen nicht meiner Kontrolle. Ich kann sie nicht beinflussen, deshalb fokussiere ich meine Energie darauf, mehr zu sparen, besser anzulegen und meinen Plan einzuhalten.

Burton Malkiel sagt, dass man auch teilweise die Steuern auf seine Geldanlage beinflussen kann. Dies ist zwar eher der Fall in den USA (Tax-Loss Harvesting). In Deutschland ist es zwar auch möglich, ist aber komplizierter. Die Abgeltungsteuer von 25% kann man nicht einfach umgehen. Natürlich ist der Freistellungauftrag nicht zu vergessen („Freistellungsauftrag von der Kapitalertragsteuer“)! Ich habe ein paar Ideen, wie man geschickt nur seinen eigenen Steuersatz zahlen muss. Dafür dürfen Sie aber keine andere Einkommen haben. Mehr dazu in einem separaten Artikel.

Um zusammenzufassen wiederhole ich Burton Malkiel: „Es gibt keine Investment-Geheimnisse der Profis. Fokussieren Sie sich auf das, was sie beeinflussen können und denken Sie langfristig“. Und lesen Sie regelmäßig meinen Blog..

Dienstag, 5. Mai 2015

Geld auf dem Tagesgeldkonto für unerwartete Ausgaben

“Neither a borrower nor a lender be. For loan oft loses both itself and friend. And borrowing dulls the edge of husbandry.” Shakespeare, Hamlet Act 1
In meinem letzten Artikel habe ich über meine Erfahrungen mit dem Umzug berichtet. Aus finanzieller Sicht haben wir im Endeffekt circa 6.000 € mehr gebraucht als wir als Rücklagen gespart hatten.

Jeder Mensch kann in seinem Leben in so eine Situation geraten. Man braucht plötzlich eine Summe, die man nicht auf seinem Girokonto zur Verfügung hat. In so einem Fall gibt es zwei Möglichkeiten:
  • Geld leihen
  • Auf Ersparnisse oder Geldanlagen zugreifen

Geld leihen:

Sie können Geld von einer Bank als Dispokredit oder Verbraucherkredit bekommen. Sie müssen aber mit hohen Zinsen rechnen. Die Banken, die für Girokonten und Festgelder kaum Zinsen anbieten, verlangen für Dispokredite 7,5%  bis 12% Zinsen. Die Verbraucherkreditzinsen liegen heute je nach Laufzeit und Kredithöhe zwischen 4,5% und 11%. Ich würde auf jeden Fall versuchen, solche hohe Zinszahlungen zu vermeiden. Wenn Sie bereits Schulden haben, würde ich Ihnen stark empfehlen, diese zuerst zurückzuzahlen, bevor Sie Ihr Geld in Aktien oder Anleihen investieren („Die bösen Schulden“). 

Als Alternative können Sie sich aus Ihrem Verwandten-, Freundes- oder Bekanntenkreis Geld leihen. Das wird bei kleineren Summen oft praktiziert. Wenn Sie zu 100% sicher sind, dass Sie das Geld innerhalb von ein paar Monaten zurückzahlen können, ist es in Ordnung, diesen Weg zu gehen. Für große Summen und lange Rückzahlungsphasen würde ich es aber auf jeden Fall vermeiden. Wenn Sie Schulden bei einem Freund oder Familienmitglied haben, ändert sich Ihre persönliche Beziehung zu dieser Person. Sie werden Schuldner und Ihr Bruder oder Kumpel wird Gläubiger.  Es lohnt sich nicht, Ihre Beziehung zu dieser Person wegen Geld zu gefährden.


Auf Geldanlagen zurückgreifen:

Wenn Sie plötzlich eine große Summe Geld benötigen und kein Bargeld oder Geld auf dem Girokonto haben, hilft Ihnen Ihre Immobilie nicht („5 Gründe eine Immobilie zu kaufen und Gegenargumente“). Ein reines Immobilienvermögen ist deshalb keine gute Idee, weil Immobilien keine Liquidität ermöglichen. Sie haben aber die Möglichkeit, auf Ihre vorhandenen Geldanlagen für das benötigte Geld zurückgreifen. Die möglichen Arten von Geldanlagen für diesen Zweck sind folgende:
  • Tagesgeldkonto
  • Festgeldkonto
  • Wertpapiere (Anleihen, Aktien, Fonds, Zertifikate)

Auf das Geld auf dem Festgeldkonto zurückzugreifen ist keine gute Idee, weil Sie Ihr Geld für eine bestimmte Laufzeit dort angelegt haben. Eine vorzeitige Kündigung ist bei Termingeldern normalerweise nicht vorgesehen. Es ist im Notfall möglich. Sie müssen aber die Ertragsverluste ggf. akzeptieren.

Sie können Ihre Wertpapiere über die Börse verkaufen, wenn Sie Ihr Geld brauchen. Das ist der Vorteil bei Wertpapieren. Das Geld ist sehr liquide. Ein möglicher Nachteil ist natürlich, dass Sie eventuell Verluste bei Ihrer Aktie oder Ihrem Fonds haben. Diese Wertpapiere gehören in die Gruppe der langfristigen Geldanlage. Anleger sollten den vorzeitigen Verkauf möglichst vermeiden.

Die Lösung lautet daher: Tagesgeldkonto. Tagesgeldkonten bringen heutzutage kaum Rendite mehr. Sie haben aber zwei wichtige Eigenschaften: Liquidität und Sicherheit. Ihr Geld auf dem Tagesgeldkonto können Sie innerhalb eines Tages abheben. Ihr Geld ist dank der Einlagesicherung bis 100.000 € gesichert. Es gibt dazu kein Verlustrisiko. Die niedrige Rendite ist der Preis für diese Sicherheit und Liquidität.

Es wird jedem empfohlen, drei bis sechs Monatsgehälter auf einem Tagesgeldkonto zu parken. Dieses Geld ist für Notfallsituationen gedacht. Denken Sie bitte nicht, dass Ihnen nichts passieren kann. „Shit happens!“. Die Welt ist voll unerwarteter Ausgaben: Ein teurer Umzug wie in meinem Fall, Autoreparaturen, Zahnarztkosten, Geldbedarf in der Familie, Verlobungsring, usw..

Tagesgeldkonten bringen keine hohe Rendite. Das heißt aber nicht, dass Sie bei der Wahl Ihrer Bank gleichgültig handeln sollten. Bei MoneYou bekommen Sie heute 1,05% Zinsen auf dem Tagesgeldkonto. Bei Comdirect sind es 0,25%. 0,8% Prozent mehr auf 10.000 € machen 80 € im Jahr. Also, besser als nichts.

Mein Geld auf dem Tagesgeldkonto für unerwartete Ausgaben hat mir dabei geholfen, dass ich keinen Kredit bei einer Bank aufnehmen musste. Ich musste auch kein Geld von meinen Freunden ausleihen. Darauf bin ich stolz und sehr glücklich. Ein bisschen Sicherheit auf eigene Verantwortung muss jeder haben.

Montag, 6. April 2015

unerwartete Kosten beim Umzug

“Beware of the little expenses; a small leak will sink a great ship.” – Benjamin Franklin
Wir sind vor zwei Wochen umgezogen. Mit unserer wachsenden Familie ist der Umzug dringend notwendig gewesen. Meine Mieteinsparungen durch Wohngemeinschaften („Leben ineiner Wohngemeinschaft“) und Zusammenleben in einer kleinen Wohnung haben damit ihr Ende gefunden („Zusammenziehen  - macht es Sinn?“).

Ich bin für die Zeit in meiner alten WG und in der kleinen 54-qm-Pärchenwohnung sehr dankbar. Durch mein WG-Leben habe ich in 5 Jahren mindestens 18.000 € gespart und angelegt. Das Zusammenleben in einer relativ kleinen Wohnung hatte auch große finanzielle Vorteile. Meine Freundin konnte nach meinem Einzug jährlich 4.800 € sparen, weil sie vorher alleine in der gleichen Wohnung gewohnt hatte. Meine Mietersparnisse gingen natürlich weiter, so dass ich letztendlich in den letzten 3 Jahren weitere 14.500 € durch unsere geringe Miete sparen konnte. Diese Ersparnisse waren ein großer Beitrag zum Vermögensaufbau unserer Familie („monatlich Geld sparen und automatisch Vermögen aufbauen“). 

Ein Umzug erfordert eine Menge Vorbereitung und ist sehr zeitintensiv. Es gibt viele Details, die man sich überlegen muss. Einige Beispiele sind die folgenden: alte Sachen wegwerfen, Sperrmüll bestellen, Keller aufräumen, Umzugsunternehmen organisieren, Malerarbeiten organisieren, neue Küche kaufen, neue Elektrogeräte für die Küche, neue Möbel, Gardinen, Teppiche, Schränke für die größere Wohnung, Kündigung des alten Mietvertrages usw. Unser Umzug war längst geplant. Deswegen hatten wir bereits vorher auf unserem gemeinsamen Konto für die Finanzierung des Umzugs mit monatlichen Einzahlungen eine Rücklage geschaffen.


Ich habe versucht alles vernünftig zu planen. Dafür habe ich eine Excel-Tabelle erstellt und die erwarteten Kosten in die Tabelle eingetragen. Ich habe für die neuen Haushaltsgeräte die Preise verglichen („Sparen beim Kauf von Unterhaltungselektronik“) und sie in der Einkaufsliste als nötig oder wünschswert eingestuft. Dazu habe ich eine Prognose für die Dienstleistungen und die Küche gemacht, die leider fehlerhaft war.

Unsere Rücklage war im Endeffekt nicht ausreichend. Meine Prognose für einige Kosten war viel zu niedrig. Einbauküchen sind, wie sich herausgestellt hat, ein sehr großer Kostenfaktor. Dazu kam eine Menge unerwarteter Ausgaben. Die Malerarbeiten in unserer neuen Wohnung mussten wir beim Einzug selber übernehmen. Ich habe mich kurz vor dem Kauf für einen Induktionsherd entschieden. Ich habe auch nicht beachtet, dass wir damit neue Töpfe brauchen würden. Unsere kostengünstige IKEA-Küche brauchte eine besondere XL-Spülmaschine, die einige hundert Euro mehr kostet. Der neue Badschrank und neue Lampen waren auch nicht in meiner fehlerhaften Prognose enthalten. Umzugskartons,  Parkverbotsschilder und Trinkgelder für einige Dienstleistungen hatte ich völlig vergessen.

Wegen vorzeitigen Umzugs müssen wir jedenfalls eine Monatsmiete noch für die alte Wohnung zahlen. Unser netter alter Vermieter wollte den neuen Mieter selber suchen und angeblich persönlich kennenlernen. Jedoch hat er sich nicht darum gekümmert, rechtzeitig eine Anzeige zu schalten. Er hat auch eine üppige Kaltmiete (13 €/qm) verlangt, die in Köln niemand für eine normale Wohnung zahlen würde. Er hat immer noch keinen neuen Mieter gefunden. Mal schauen, ob wir die alte Miete noch einen weiteren Monat zahlen müssen.

Eine Kautionsbürgschaft ist eine Alternative zur Mietkaution. Mein Plan, eine solche zu leisten, damit unser Geld nicht jahrelang auf einem Sparkonto liegt, wurde von unserem neuen Vermieter abgelehnt.

Alles in allem haben wir circa 6.000 € mehr gebraucht als wir als Rücklage gespart haben. Das ist eine Menge Geld, die wir von unserem normalen Gehalt nicht einfach finanzieren können.

In meinem nächsten Artikel werde ich darüber schreiben, wie man mit so einer Situation umgehen kann.

Dienstag, 10. März 2015

Wie kann man als Anleger von billigem Ölpreis profitieren?

“Technology fuels economy, unfortunately in today’s world it’s the fuel that drags economy” ― Yatin Patel

Der Ölpreis bewegt sich zwischen 48 $ und 52 $, seitdem ich meinen Artikel „Warum fällt der Ölpreis?“ veröffentlicht habe. Von Mitte 2011 bis Mitte 2014 lag der Ölpreis ungefähr bei 100 $. 50$ für ein Barrel Öl ist davon die Hälfte. Viele Autofahrer in Deutschland werden vom günstigeren Benzinpreis sicherlich profitieren.

Wie kann man nun als Anleger von billigem Ölpreis profitieren? Einige Optionen sind folgende:
  • Investieren in Öl (mit der Annahme, dass der Ölpreis in der Zukunft wieder steigen wird)
  • Investieren gegen die Länder, die unter dem niedrigem Ölpreis leiden (mit Hebelprodukten)
  • Investieren gegen die Ölkonzerne (mit Hebelprodukten)
  • Investieren in Firmen, die von billigem Öl profitieren
  • Investieren in Länder, die von billigem Öl profitieren

Investieren in Öl


Sie können natürlich davon ausgehen, dass der Ölpreis sich langfristig wieder Richtung 100$ bewegen wird. Knock-out-Zertifikate sind das passende Produkttyp, wenn Sie darauf wetten möchten. Ich muss Sie aber davor warnen, dass Ihre Aktion keine Investitition mit einem langfristigen Horizont ist, sondern pure Spekulation. Ich bin vollkommen dagegen, dass man sein hartverdientes Geld für so etwas riskiert. Was ich von spekulativen Rohstoff-Investments halte, habe ich in meinem Artikel „Gold als alternative Geldanlage“ ausdrücklich geschrieben. Die einzige Variante, die zu meiner Strategie „Lege nicht alle Eier in einen Korb“ passen würde, wäre ein ETF, der mehrere Rohstoffe beinhaltet. Eine solche Geldanlage sollte nur als Diversifizierung verstanden werden und nicht mehr als 5-10% des Gesamtportfolios ausmachen.

Investieren gegen die Länder, die unter dem niedrigem Ölpreis leiden (mit Hebelprodukten)


Einige Volkswirtschaften werden sehr unter einem niedrigen Ölpreis leiden. Dies sind die Länder, die Öl exportieren: Russland, Nigeria, Iran, Venezuela, Saudiarabien, Vereinigte Arabische Emirate, Kanada, usw. Einige dieser Länder sind abhängig von Öleinnahmen. Sie können theoretisch darauf spekulieren, dass die Börsen und Staatsanleihen dieser Länder fallen werden. Die erste schlechte Nachricht für Sie: Der Zug ist abgefahren, dies ist schon passiert. Die Aktienkurse in der Golfregion und Russland haben den Börsencrash bereits Ende 2014 erlebt. Sie können immernoch mit einem Hebelprodukt darauf wetten, dass die Krise in diesen Ländern noch schlimmer wird. Ich persönlich bin gegen solche Spekulationen. Normale Anleger sind nicht George Soros, der gegen große Volkswirtschaften spekulieren und Geld verdienen kann. Es ist nicht der Sinn des Vermögenaufbaus, mit Doom-Szenarien Rendite zu suchen.

Investieren gegen die Ölkonzerne (mit Hebelprodukten)


Ähnlich wie die ölexportierenden Länder sind auch die Ölkonzerne große Verlierer des niedrigen Ölpreises. Exxon Mobil, Royal Dutch Shell, BP, Chevron, Conoco Phillips, Total, Gazprom, Eni und Petrobras sind die größten Ölkonzerne der Welt. Für Menschen, die gegen diese Firmen spekulieren möchten, ist der Zug auch bereits abgefahren. Der S&P Global Oil Index ist seit Mitte 2014 um circa 25% gefallen. Wie oben geschrieben, bin ich persönlich kein Freund davon, gegen Länder oder Konzerne zu spekulieren. Deswegen würde ich davon abraten, mit Hebelprodukten Ihr Geld zu riskieren.

Nichtsdestotrotz gibt es eine andere Option bezüglich dieser Ölkonzerne. Es kann sein, dass  die eine oder andere dieser Aktien zur Zeit ziemlich günstig ist. Value Investoren („Value Investing und Ihre Anlagestrategie“) können sich umfangreich mit diesen Firmen beschäftigen und ggf. ein Schnäppchen finden. Für mich ist das zu zeitintensiv. Ich bin eher ein passiver Anleger, der gerne langfristig in ETFs investiert ("Aktien-ETFs als Geldanlage").  

Investieren in Firmen, die von billigem Öl profitieren


Hier wird es interessanter. Es gibt viele Firmen, die vom billigen Öl profitieren. Nach einer intensiven Recherche können Anleger herausfinden, welche Firmen dies sind. Ein niedriger Ölpreis unterstützt das Wachstum der Weltwirtschaft und erhöht die Kaufkraft der Haushalte. Ein Beispiel sind Autobauer, auch die Transport- und Konsumgüterindustrie werden von einem niedrigem Ölpreis profitieren. Es handelt sich also um die Firmen, die Ölprodukte als Rohmaterial nutzen und so erhöhte Gewinne erzielen können.

Investieren in Länder, die von billigem Öl profitieren


Diese Option gefällt mir am besten, weil sie zu meiner allgemeinen Anlagestrategie sehr gut passt. Mein Aktienportfolio ist hauptsächlich auf verschiedene Regionen verteilt („Mein ETF-Portfolio: Performance Details im Jahr 2014“). Wenn ich diejenigen Länder herausfiltern kann, die von einem niedrigen Ölpreis profitieren, kann ich eventuell meine Asset-Allocation dementsprechend anpassen oder modifizieren. 

Auf Wikipedia können Sie sich eine Liste der größten Erdölimporteure ansehen: Die EU-Staaten, die USA, China, Indien, Japan, Südkorea, Taiwan, Thailand, die Türkei, Indonesien, Südafrika, usw. Ölimporte machen bei den Schwellenländern einen großen Teil der Gesamtimporte aus. Die Handelsbilanz dieser Länder entwickelt sich positiv. Billiges Öl treibt auch das Wirtschaftswachstum in Schwellenländern und entwickelten Länder. Ich bin optimistisch, was das Weltwirtschaftswachstum und dementsprechend steigende Aktienkurse angeht („Warum sind Aktien die beste Geldanlage?“).

Die Weltkarte der Erdölimporteure, 2006

Mein Aktienportfolio ist verteilt auf 30% amerikanische Aktien, 30% europäische Aktien, 30% Aktien aus Schwellenländern und 10% Aktien aus Japan/Asien-Pazifik. Fast alle großen Ölimporteure sind bereits in meinem Aktienportfolio vertreten. Was nicht in meinem Portfolio vorhanden ist, sind Aktien aus Indien, Indonesien und Südafrika.

Der Schwellenländeranteil in meinem Portfolio ist ziemlich hoch im Vergleich zu den Portfolios anderer Anleger, die weltweit investieren. Das ist ein Risiko, welches ich mir erlaube, um langfristig eine höhere Rendite zu erzielen („Risiko bei Geldanlagen“). Mein Portfolio befindet sich meiner Meinung nach an einem kritischen Punkt, an der sogenannten „efficient frontier“ Linie. An diesem Punkt bringt mehr Risiko nicht unbedingt eine höhere Rendite. Es bringt nur höhere Volatilität. Meinem Portfolio noch weitere Aktien aus Indien, Indonesien und Südafrika hinzuzufügen, bedeutet für mich ein höheres Risiko. Das möchte ich zur Zeit nicht eingehen.

Zusammengefasst bringt billiges Öl viele neue Gelegenheiten für Anleger. Meine Investments bestehen schon zu 90% aus Aktien. Deshalb ist die Gelegenheit für mich nicht so gut. Die Anleger, die einen geringeren Anteil an Aktien haben oder bislang nur in bestimmten Regionen investiert haben, können ihre Anlagestrategie auf die Frage hin analysieren, ob billiges Öl woanders eine hohe Renditechance bringen wird.  

Montag, 9. Februar 2015

Warum fällt der Ölpreis?

“Oil creates the illusion of a completely changed life, life without work, life for free. Oil is a resource that anaesthetizes thought, blurs vision, corrupts.” ― Ryszard Kapuściński

Jeder Autofahrer hat es sicherlich bemerkt, dass Tanken in den letzten Monaten viel günstiger geworden ist. Aktuell liegt der Benzinpreis (Super) bei circa 1,35/l. Ich kann mich gut erinnern, dass ich vor zwei Jahren 1,65 € für einen Liter Benzin bezahlt habe. Damals hatte ich mich beschwert und angefangen mit der Bahn zur Arbeit zu fahren („Analysieren Sie Ihre Ausgaben“).


Der Grund für das günstigere Benzin ist der fallende Ölpreis. Der Brent-Öl-Preis schwankte von 2011 bis 2013 zwischen 100 und 120 $. Seit Mitte 2014 ist ein starker Abstieg von 100 $ bis zur 50-Dollar-Marke zu beobachten. 50% weniger innerhalb von sechs Monaten!

Keiner hatte es vorhergesehen. Das war sehr überraschend für viele Ökonomen und Anleger.


Der Ölpreis beeinflusst vieles in der Wirtschaft. Die Auswirkungen eines niedrigen Ölpreises bringen viele Gelegenheiten für Anleger mit sich ("Gelegenheiten Geld zu schaffen"). Wie bei jedem wirtschaftlichen Ereignis wird es in diesem Fall auch Gewinner und Verlierer geben: Volkswirtschaften, Firmen, Aktienmärkte und natürlich Anleger.

Ich möchte ersteinmal verstehen, warum der Ölpreis gefallen ist. Danach möchte ich mir Gedanken darüber machen, wer die Verlierer und Gewinner des niedrigen Ölpreises sein können. Es gibt sicherlich genügend Studien darüber, die man im Internet nachlesen kann. Mit den entsprechenden Informationen kann ich dann entscheiden, ob ich meine langfristige Anlagestrategie ändern bzw. anpassen muss („Portfolio-Aktionsplanfür 2015“).

Warum fällt der Ölpreis plötzlich?


Viele wissen, dass die Produktion von Schieferöl in den USA in den letzten Jahren ziemlich gewachsen ist. Wobei Fracking in Deutschland noch in der Debatte steht, investieren amerikanische Firmen in den USA weiterhin in Schieferölproduktion und neue Technologien. Wie es aussieht, werden die USA demnächst wieder der größte Ölhersteller der Welt.


Das heißt, dass wir ein wachsendes Ölangebot auf dem Markt haben. Normalerweise haben die OPEC-Länder das Gesamtangebot immer angepasst und leicht knapp gehalten, weil sie von einem hohen Ölpreis profitieren. Die Produktion von Schieferöl wächst seit 2012. Dieses Wachstum wurde durch die zurückgehenden Ölproduktionen im Iran und in Libyen ausgeglichen. 2014 war dies aber anders. Während die Produktion in den USA weiter gewachsen ist, haben auch die OPEC-Länder die Produktion erhöht. Daraus hat sich ein Überangebot ergeben.

Ein anderer Faktor ist das schwache Wirtschaftswachstum in Europa und den Schwellenländern. Die Nachfrage nach Öl ist nicht genauso schnell gewachsen wie das Ölangebot auf dem Markt. Effizientere Motoren für Autos, besonders in den USA, haben diesen Faktor weiter unterstützt.
Öl wird auf der Weltmarkt in Dollar gehandelt. Der starke Dollar im Vergleich zu anderen Währungen hat die Situation für den Ölpreis verschlechtert.

Dazu gibt es ein paar Verschwörungstheorien. Eine davon ist, dass die USA und ihre Allierten in den Golfstaaten Russland und Putin bestrafen möchten. Die Politik Russlands in der Ukraine und in Syrien hat den USA und Saudi-Arabien sicherlich nicht gut gefallen. Eine andere Theorie ist, dass die OPEC-Länder den Ölpreis niedrig halten möchten, damit das Schieferölgeschäft nicht mehr profitabel ist. Unter 70-80 $ lohnt sich die Schieferölförderung in vielen Ölfeldern nicht mehr. Die Saudis können einen niedrigen Ölpreis verkraften. Die Schieferöl-Unternehmen aber, die für das Geschäft Kredite aufgenommen haben, haben mit niedrigen Preisen eventuell Schwierigkeiten.

Eigentlich erklären Angebot und Nachfrage alleine nicht, weshalb der Preis plötzlich um 50% gefallen ist. Dabei spielen sicherlich auch Spekulatoren eine Rolle, die den Preis noch weiter runter treiben, als er eigentlich sein sollte.

All diese Gründe resultieren in dem heute günstigsten Ölpreis seit 2009. Ich sehe die Sitaution persönlich ziemlich positiv für die Weltwirtschaft. Die Ölproduktion ist eigentlich fast ein Monopol. Die OPEC-Länder sitzen auf 81% der Ölreserven und 45% der Ölproduktion der Welt. Sie haben in den letzten Jahrzehnten quasi bestimmt, wie hoch der Ölpreis sein soll. Billionen wurden von den Industrieländern, die keine Ölreserven haben, an die OPEC-Länder gezahlt. Der Ölpreis hat Einfluss auf das Leben von jedem Mensch auf der Welt. Die Produktionskosten von vielen Lebensmitteln, Transportkosten, Heizkosten, Herstellungskosten von vielen Waren korrelieren direkt mit dem Ölpreis.

Besonders die armen Menschen in den Schwellenländern und in Afrika leiden unter dem hohen Ölpreis. Das Essen wird teurer und die Lebensstandards sinken. Das Geld, das viele OPEC-Länder am Öl verdienen, wird leider nicht immer für Verbesserung der Lebensstandards der Bürger in diesen Ländern eingesetzt. Viele Diktaturen werden dadurch stärker. Während eine kleine Anzahl von Menschen ein Superluxusleben führen, haben viele Menschen ein Leben in Armut und Schwierigkeiten.

Dank der Technologie ist die Welt bald nicht mehr abhängig von Öl aus den OPEC-Länder. Die Schieferöltechnologie wird immer besser. Neue und günstigere Fördermethoden werden das Ölangebot weiterhin erhöhen. Effizientere Autos, energiesparende Heizungen, alternative Energiequellen wie Sonne, Wind, Biogas und Atomkraft werden helfen, dass die Ölnachfrage nicht so schnell steigen wird wie das Angebot.

Endlich sehen wir die Macht der freien Wirtschaft und des freien Wettbewerbs. Billige Energie hat dem Wachstum des Wohls der Menschheit in der Geschichte immens geholfen.

Wie kann man nun als Anleger von billigem Ölpreis profitieren? Einige Optionen sind folgende:
  • Investieren in Öl (mit der Annahme, dass der Ölpreis in der Zukunft weiter steigen wird)
  • Investieren gegen die Länder, die unter dem niedrigem Ölpreis leiden (mit Hebelprodukten)
  • Investieren gegen die Ölkonzerne (mit Hebelprodukten)
  • Investieren in Firmen, die von billigem Öl profitieren
  • Investieren in Länder, die von billigem Öl profitieren

In meinem nächsten Artikel werde ich die Optionen analysieren und schauen, ob ich meine Anlagestrategie für 2015 dementsprechend anpassen muss.