"How many millionaires do you know who have become wealthy by investing in savings accounts? I rest my case." - Robert G. Allen
Wenn ein Anleger die
richtigen Entscheidungen für seine Geldanlage treffen möchte, muss er unbedingt
verstehen, wie die Beziehung zwischen Risiko und Rendite funktioniert. Ich habe
den Eindruck, dass viele unerfahrene Anleger und Sparer nicht wissen, warum es
höhere Renditen (Überrendite) überhaupt gibt.
Folgender Grundsatz gilt
in der Finanzwelt: Ohne Risiko gibt es keine hohe Renditen. Das sogennante „Magische Dreick der Vermögensanlage“ wird oft in der Finanzberatung eingesetzt. Eine
Überrendite ist einfach die Belohnung für die Bereitschaft, höhere Risiken
einzugehen.
Ich möchte ein Beispiel
aus dem alltäglichen Leben geben.
Fall #1: Sie haben zwei Schulfreunde, Paul und Olaf, die sich von Ihnen Geld
ausleihen möchten. Paul ist Arzt und Familienvater, er wohnt fünf Minuten
entfernt von Ihnen. Sie kennen seine Eltern auch, die auch in Ihrer Gemeinde
wohnen. Paul braucht 10.000 € für die dringende Reparatur seines Dienstwagens
und verspricht, das Geld innerhalb von einem Jahr zurückzuzahlen.
Olaf ist Junggeselle und
zur Zeit arbeitslos. Sie sind mit ihm nicht mehr eng befreundet, weil er sein
Studium abgebrochen und viele Jahre die Welt bereist hat. Olaf braucht 10.000 €
für seine Unternehmensgründung und verspricht, das Geld innerhalb von einem
Jahr zurückzuzahlen.
Beide haben sich bereit
erklärt, Ihnen den Tageszinssatz von 1% als Entschädigung zu zahlen. Würden Sie
lieber Paul oder Olaf Ihr Geld ausleihen?
Jeder rationale Mensch
mit Verstand würde in diesem Fall Paul bevorzugen. Der Grund ist einfach das
Ausfallrisiko. Wenn man Olaf mit Paul vergleicht, fällt die Entscheidung leicht.
Das Risiko, dass man sein Geld nicht zurückbekommt, ist bei Olaf viel höher als
bei Paul. Für die gleiche Rendite von 1% wählt der Anleger die Variante mit dem
niedrigeren Risiko.
Fall #2: In diesem Beispiel gehe ich bei Olaf ins Detail. Olaf war immer ein bisschen
abenteuerlustig. Er war aber ein sehr schlauer Junge und macht heutzutage einen
sehr soliden Eindruck. Er hat Ihnen von seinen Plänen von der
Unternehmensgründung erzählt. Es klingt immer noch riskant, es gibt es aber
eine gute Chance, dass er erfolgreich sein wird. Dazu hat er Ihnen versprochen,
10% Zinsen als Entschädigung zu zahlen.
Es wird interessanter. Beide
Optionen (Paul oder Olaf) sind akzeptabel, jedoch mit unterschiedlichen Risiken
und erwartete Renditen verbunden. Der Fall #2 stellt die Hauptbotschaft dieses
Artikels dar. Rendite ist mit Risiko verbunden. Wo es Risiko gibt, verlangt ein
Anleger hohe Renditen. Wo es Sicherheit gibt, bietet der Schuldner oder die
Finanzindustrie niedrige Renditen an. Risikofreie hohe Renditen gibt es aus
einem einfachen logischen Grund nicht. Das möchte ich kurz erklären.
Wenn Paul (niedriges
Ausfallrisiko) 10% Zinsen anbieten würde, würden alle seine Freunde in der
Schlange warten, um ihm Geld auszuleihen. Deshalb hat er die Möglichkeit,
niedrigere Zinsen anzubieten. Das tut er, wenn er nicht dumm ist.
Wenn Olaf (hohes
Ausfallrisiko) 1% Zinsen anbieten würde, würde keiner ihm Geld ausleihen. 1%
Zinsen bekommt man schon bei Paul mit niedrigerem Risiko. Deshalb muss Olaf die
Zinsen bei seinem Angebot solange erhöhen, bis jemand bereit ist, das Risiko
einzugehen und ihm das Geld zu leihen.
Für den Anleger ist die
hohe Rendite eine Belohnung („risk premium“), weil er bestimmte Risiken
eingeht. Es kann natürlich schief gehen und der Anleger kann Verluste machen.
Die erwartete Rendite bei einer riskanten Geldanlage muss aber im Prinzip höher
sein als bei einer sicheren Geldanlage. Der risikoscheue Anleger soll dagegen
den Preis für Sicherheit bezahlen und sich mit niedrigeren Renditen
zufriedenstellen.
Es ist sehr wichtig für
jeden Anleger, diese Beziehung zwischen Risiko und Rendite zu verstehen.
Lasst uns zurückgehen zu
Fall #2. Würden Sie jetzt Paul oder Olaf das Geld ausleihen? Oder gleichzeitig
beiden? Oder Paul 7.000 € und Olaf nur 3.000 €? Ähnliche Fragen werden Sie sich
bei der Gestaltung Ihres Portfolios stellen müssen. Wie risikobereit sind Sie?
Können Sie Verluste gut aussetzen? Können Sie mit einem riskanten Portfolio gut
schlafen? Wie wichtig ist hohe Rendite für Sie?















